Vom Eiskunstläufer in der DDR zum Spieler und Trainer in Eishockeydeutschland – Ein Porträt über Lars Gerike

Der steinige Weg zum Eishockey und zukunftsweisende Entscheidungen

Geboren in Berlin startete der heutige Co-Trainer der Herne Miners, Lars Gerike, nicht direkt mit der Sportart, die sein Leben bis heute prägen sollte. Denn Gerike war zunächst als filigraner und eleganter Eiskunstläufer in der DDR bekannt. In der DDR wurde der Berliner als Eiskunstläufer gefördert und konnte dadurch an kompetitiven Wettkämpfen teilnehmen. Das Eiskunstlaufen bereitete ihm mit der Zeit jedoch immer weniger Spaß, zudem spielten gesundheitliche Gründe eine Rolle, weshalb er mit dreizehneinhalb Jahren schließlich zum Eishockey wechselte, den Sport, den er bis heute liebt und lebt. Mit dreizehn Jahren ein eigentlich spätes Alter, um mit dem Eishockey zu beginnen. Dass sein später Einstieg in den Sport Nachteile mit sich brachte, bemerkte auch Gerike: „Ich habe damals eine gewisse Zeit gebraucht um den Umstieg zu schaffen. Im Laufe meiner Karriere habe ich dann immer wieder gemerkt, dass die anderen Spieler dadurch läuferisch überlegen waren. Ich musste dann als Verteidiger mehr mit meinem Spielverständnis und meiner Passqualität glänzen.“

Nachdem der junge Berliner bis 1995 in der Nachwuchsabteilung der Eisbären Berlin ausgebildet wurde und 1996 drei Einsätze in der ersten Eishockeyliga erhielt, zog es den Großstadtjungen erstmals in das Ruhrgebiet. Ein Wechsel, der seine Zukunft nachhaltig verändern sollte, denn seine erste volle Profisaison absolvierte der Berliner beim damaligen Zweitligisten Herner EV, den Gerike fast 30 Jahre später, mit 50 Jahren, als seine neue Heimat bezeichnen kann. In Herne hatte er es zu Beginn jedoch alles andere als einfach. Der junge Verteidiger kam in ein Team voller erfahrener Spieler, gegen die er sich zunächst durchsetzen musste. „Ich bin damals zu einer Zeit hierhergekommen, wo viele ältere Spieler in Herne gespielt haben, da musste ich mich als junger Spieler und frecher Berliner erst einmal durchkämpfen“, erzählte Gerike leicht grinsend.

„Da kam der freche Berliner in so ein kleines Kackdorf“

Richtig sesshaft wurde Gerike während seiner Spielerkarriere nirgendwo. Er spielte für mehrere Vereine in Deutschland, schloss sich aber immer wieder, unter anderem 2003 und 2010, dem Herner Eissportverein an. Dennoch hätte er sich vor dreißig Jahren nie vorstellen können, dass er mal in Herne sesshaft wird, denn: „Da kam der freche Berliner in so ein kleines Kackdorf und hat einfach gedacht, dass Herne nur eine Übergangsstation wird. Jetzt habe ich in Herne gemeinsam mit meiner Frau und meinen Kindern ein neues Zuhause gefunden.“

Unverhofft musste Gerike damals aus finanziellen Gründen seine Spielerkarriere beenden, worauf zwei harte Jahre für ihn folgten. Mittlerweile hatte der Familienvater nach seiner Spielerkarriere zwar einen festen Job und ein Haus in Herne gefunden, mit der neu gewonnenen Zeit, die er sonst in der Eishalle beim Training und bei Spielen verbrachte, konnte Gerike jedoch wenig anfangen. Dadurch fand sich der Eishockeybegeisterte häufiger vor dem Fernseher wieder: „Dann lag neben mir anstatt des Eishockeyschlägers auf einmal ganz schnell die Chipstüte und die Fernbedienung“, blickte Gerike auf eine schwierige Zeit zurück.

Der Weg zurück zum Eishockey

Nach zwei harten Jahren, in denen Gerike nicht so recht wusste, was er mit sich anfangen sollte, fand der Sport, den er so sehr liebt, wieder zurück in sein Leben: „Bekannte, die sich ebenfalls beim Herner EV engagieren, haben mich dann vor knapp acht Jahren fast schon dazu gezwungen die U17 in Herne zu trainieren. Dafür bin ich im Nachhinein sehr dankbar“. Durch das Training der Jugendlichen konnte Gerike schließlich neue Motivation schöpfen und den Spaß am Eishockey wiederentdecken. In der Saison 2018/19 lief es dann sportlich nicht wirklich rund für den Herner EV. Der Verein stellte mit Danny Albrecht einen neuen Trainer ein, der auf der Suche nach einem Co-Trainer war. „Danny hat mich damals angesprochen und mich gefragt, ob ich ihn als Co-Trainer unterstützen will. Durch meine neu gewonnene Motivation habe ich nicht lange überlegt und direkt zugesagt“. Dieses Gespräch mit Ex-HEV-Coach Danny Albrecht ist mittlerweile acht Jahre her. Während Albrecht mittlerweile an der Bande eines Ligakonkurrenten steht, ist Lars Gerike noch immer als Co-Trainer beim HEV tätig.

Am Ende fand der Großstadtjunge und freche Berliner also schließlich doch seine neue Heimat im „kleinen Kackdorf“ Herne.